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Meine Entscheidung fĂĽr die Dreifache Hormonblockade und meine Erfahrung mit ihr
Im Frühjahr 1999 hatte mein Hausarzt einen PSA-Wert von 4,5 ng/ml festgestellt. Der Urologe, den ich daraufhin aufsuchte, wollte gleich eine Biopsie (Gewebeprobe) machen, die ich aber zunächst ablehnte. Als auch nach einer Antibiotikumbehandlung der PSA-Wert weiter anstieg und im Oktober 2000 auf 6,1 ng/ml gestiegen war, stimmte ich einer Biopsie zu.
Anfang November 2000 bekam ich die Diagnose Prostatakrebs. Der Gleason Score wurde nicht bestimmt. Malignitätsgrad G1 – „hochdifferenziert“. Bei späterer Nachfrage wurde der Gleason Score auf 5 (2+3) eingestuft. Der Krebs war nicht tastbar, also mit T1c einzustufen.
Bei diesen Ausgangswerten ist nach der Partin-Tabelle eine 75-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass der Krebs auf die Kapsel begrenzt ist. Damit sind die Heilungschancen der Operation, d. h. der Radikalen Prostatektomie sicher sehr groß. Mein Urologe empfahl mir (wie üblich) diese Operation, eventuell auch eine Strahlentherapie. Er erklärte mir die zu erwartenden Nebenwirkungen der Operation mit einer geringen Wahrscheinlichkeit der Inkontinenz, aber der großen Wahrscheinlichkeit der Impotenz, d. h. der sog. erektilen Dysfunktion. Ich führte Beratungsgespräche zur Operation und zur Strahlentherapie, die mich aber nicht überzeugen konnten. Außerdem konnte man ja nicht ausschließen, dass trotz der guten Ausgangsbedingungen Mikrometastasen vorhanden sind, die allzu oft Ursache sind von späteren PSA-Rezidiven sind nach lokalen Therapien wie Operation oder Strahlentherapie.
Ich wollte diese Nebenwirkungen als mögliche bzw. wahrscheinliche Beeinträchtigung der Lebensqualität in meinem damaligen Alter von gerade eben 61 Jahren einfach nicht akzeptieren. Außerdem wollte ich das allgemeine Operationsrisiko möglichst vermeiden, ja, möglichst die Operation als solche. Daher suchte ich nach Alternativen zur Operation und telefonierte quer Deutschland und recherchierte im Internet. HIFU, PC-SPES, biologische Krebstherapien konnten mich letztlich nicht überzeugen.
Bei einem Anruf bei der Deutschen Krebshilfe bekam ich eine Telefonnummer, an die ich mich wenden könnte. Bei dem Anruf dort erfuhr ich erstmals von der Existenz des Bundesverbands Prostatakrebs Selbsthilfe. Ich telefonierte mit Herrn Ligensa, dem stellvertretenden Vorsitzenden dieses Verbandes. So erfuhr ich von der Dreifachen Hormonblockade des US-amerikanischen Onkologen Dr. Leibowitz. Herr Ligensa hatte diese Therapie bereits gemacht und er hatte die Unterlagen von Dr. Leibowitz ins Deutsche übersetzt. Ich bekam diese Unterlagen zugesandt, die ich mit großem Interesse studierte.
Sehr bald war mir klar geworden, dass in der DHB eine gute Chance bestand, gerade bei günstigen Ausgangsbedingungen wie bei mir. Die von Dr. Leibowitz dokumentierten Verläufe seiner damals 110 DHB-Patienten seit 1991 zeigten eine mindestens so gute Erfolgsquote wie die der Operation.
Der erste DHB-Patient mit damals acht Jahren nach Ende der DHB hatte noch immer einen niedrigen PSA-Wert. Das Konzept der nahezu vollständigen Hormonblockade war für mich überzeugend. Außerdem wirkt diese Therapie im ganzen Körper, also auch auf eventuell vorhandene Mikrometastasen! Ich habe mir die Argumente, die aus meiner Sicht für die Dreifache Hormonblockade und gegen lokale Therapien sprechen, zusammengestellt (von diesen 20 Punkten hat mein späterer Urologe 18 Punkte als zutreffend bezeichnet. So falsch kann ich also nicht gelegen haben...).
So habe ich mich fĂĽr die Dreifache Hormonblockade entschieden aus im Wesentlichen fĂĽnf GrĂĽnden:
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Die DHB wirkt als nahezu vollständige Blockade, damit haben die Krebszellen kaum eine Chance, zu überleben.
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Diese Therapie wirkt nicht nur lokal, sondern auch systemisch, also auch auf eventuell vorhandene Mikrometastasen
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Die DHB dauert nur 13 Monate, danach werden die Hauptmedikamente abgesetzt und die Nebenwirkungen sind damit zeitlich begrenzt. Testosteron wird danach wieder produziert!
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Die DHB hat keine dauerhaften Nebenwirkungen wie Inkontinenz oder Impotenz zur Folge.
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Wenn die DHB nicht den erhofften Erfolg bringen sollte, habe ich noch alle Therapieoptionen offen, sowohl die Operation, die Strahlentherapie, Chemotherapie, aber auch bis dahin eventuell mögliche neue Therapien (z .B. Protonentherapie, Vakzinierung, molekulare Antikörper).
Natürlich war ich mir auch der Risiken bewusst, dass eventuell hormonunabhängige Krebszellen bereits vorhanden sein oder sich herausbilden können. Aber dieses Risiko ist mit niedrigem Gleason Score und durch die zeitlich begrenzte Therapie mit anschließendem Wiederanstieg des Testosteron gering. Gerade hier schätzte ich die Erfahrung von Dr. Leibowitz und die Offenlegung der PSA-Verläufe als sehr wertvolle Entscheidungshilfe! Hierzu noch ein weiteres Argument in meiner Entscheidungsfindung:
„Wenn mich diese DHB auch nur fünf Jahre Zeit gewinnen lässt, sind dies Jahre mit guter Lebensqualität, ohne Inkontinenz und ohne Impotenz!“
SchlieĂźlich habe ich bei keiner Therapie eine Garantie auf Heilung, ein Risiko habe ich ĂĽberall!
Nachdem ich mich für die DHB entschieden hatte, erklärte ich meinem damaligen Urologen meine Therapieentscheidung gegen Operation und Strahlentherapie, für die DHB. Er war aber nicht bereit, mich hierbei zu unterstützen. Bei einem Onkologen fand ich mit meiner Argumentation und mit den bereitgestellten Unterlagen Unterstützung für diese systemisch wirkende DHB.
Nachdem ich bereits auf Empfehlung eines Urologen im Dezember 2000 mit Flutamid begonnen hatte, „um die Zeit bis zur Therapieentscheidung zu überbrücken“ (Anm.: das würde ich heute nicht mehr machen!), begann ich im März 2001 mit der DHB. Bereits 3 Monate später war mein PSA nicht mehr messbar (<0,06). Die DHB dauerte bis April 2002.
Die Nebenwirkungen waren während dieser Zeit erträglich: Die Leberwerte waren zeitweise erhöht, normalisierten sich aber wieder. Hitzewallungen hatte ich nach einigen Monaten für vielleicht einen Monat, dann ließen die Hitzewallungen wieder nach. Die Haut wurde trocken. Die Körperhaare fielen aus, während die Kopfhaare aber infolge Proscar wieder voller und kräftiger wurden. Die Knochendichte hatte ich leider nicht vor der DHB bestimmen lassen. Eine Q-CT-Messung in der Halbzeit ergab eine etwas reduzierte Knochendichte von 98%. Auf Empfehlung meines Orthopäden nahm ich dann täglich Tabletten mit 1000 mg Calcium mit 4,5 µg VitaminD3, worauf die Knochendichte nach Abschluss der DHB sogar mit 102% sogar etwas über dem Normwert lag, also sich verbessert hatte! Die Libido hatte erwartungsgemäß deutlich nachgelassen. Dennoch konnte ich auch während der Therapie gelegentlich sexuell aktiv sein. Es zeigten sich aber trockene Ejakulationen (logisch, da kein PSA produziert wird!), die noch viele Monate nach der Therapie anhielten (mit wieder ansteigendem PSA wurde es naturgemäss besser).Während der DHB spürte ich schon eine nachlassende körperliche Leistungsfähigkeit. Dies zeigte sich in erster Linie bei Dauerbelastung, z.B. bei längeren Wanderungen. Da war ich in den Beinen doch etwas früher schlapp als gewohnt. Meine sportlichen Aktivitäten (Tennis, Skifahren, Radfahren) konnte ich aber ohne Einschränkungen wahrnehmen.
Seit dem Ende der DHB nehme ich nur noch eine Tablette Proscar. Zusätzlich trinke ich täglich ein Glas gepresste Tomaten (Alnatura Passata), um den Lykopin-Spiegel zu verbessern.
Nach Ende der DHB war mein PSA noch 7 Monate unmessbar (< 0,06) und stieg dann innerhalb von gut zwei Jahren auf 2,74 ng/ml an. Bei dem inzwischen wieder auf hohem Niveau liegenden Testosteron ist ein Anstieg des PSA-Wertes zu erwarten, da die Prostata ja wieder ihre Funktion aufgenommen hat.
Heute, über 4,5 Jahre nach Ende der DHB liegt der PSA-Wert bei 3,15 und hatte zuletzt eine Verdoppelungszeit von etwa 12 Jahren. Der PSA-Anstieg ist wieder deutlich langsamer geworden! Wenn ich also in 12 Jahren einen PSA-Wert von 6,3 hätte, wäre ich hochzufrieden und hätte damit sehr viele Jahre mit guter Lebensqualität gewonnen – ohne Operation und ohne Strahlentherapie!
Der Testosteron-Spiegel war ein Jahr nach Ende der DHB wieder bei 6 ng/ml – teilweise sogar deutlich darüber – also sehr gut im Normalbereich. Dementsprechend fühlte ich mich auch sehr wohl und wieder in allen Bereichen voll leistungsfähig.
Natürlich kann ich nicht sagen, ich bin den Krebs los! Möglicherweise wurde dieser vernichtet, aber ein kleiner Teil kann überlebt haben. Insofern muss ich das realistisch sehen! Aber bis der Krebs auch nur die Ausgangsgröße wieder erreicht haben wird, werde ich vermutlich einen erheblichen Zeitgewinn von einigen Jahren bei guter Lebensqualität erreicht haben! Die bisherige Entwicklung über fast 5 Jahre nach Ende der DHB hat dies bisher bestätigt. Ich bin heute sehr froh, dass ich mich vor 6 Jahren für diese Dreifache Hormonblockade entschieden habe.
Dieter Voland
Nachtrag:
Nachdem mein Onkologe mir 2004 empfohlen hatte, doch noch einen Zweitbefund der Gewebeproben anfertigen zu lassen, bekam ich vom Pathologischen Institut Hegauklinik (Singen) – dort wird das Biopsie-Material von Prostata-Spezialisten befundet! – den Befund, dass mein GleasonScore nicht
5 (2+3) ist, sondern 7 (4+3)! Damit ist die Einstufung um drei Stufen schlechter als im Erstbefund der örtlichen Pathologie! (man sieht, ein Zweitbefund von einem Prostata-Pathologen ist sehr wichtig!)
Damit ist aber die Wahrscheinlichkeit für ein lokal begrenztes Karzinom lt. Partin-Tabelle nicht 75 % sondern nur 43 %! Insofern ist auch die Wahrscheinlichkeit für eine Streuung von Mikrometastasen viel größer als ursprünglich angenommen. Umso mehr bin ich froh, dass ich mich damals für die systemisch wirkende Dreifache Hormonblockade nach Dr. Leibowitz entschieden hatte!
Letzter Befund meiner Urologin im August 2006:
Die Prostata ist weich und unauffällig, mit 55 g leicht vergrößert (trotz Proscar!). Im TRUS zeigen sich einige Verkalkungen (helle Punkte) und zwei winzig kleine dunkle Flecken von ca.1 mm. Meine Urologin empfiehlt: weiter beobachten.
Der bisherige PSA- und Testosteron-Verlauf ist nachfolgend dargestellt.
Therapie nach Prostatakrebs-Diagnose mit aPSA=6,1; GS=7(4+3)-Zweitbefund; T1c:
Dreifache Hormonblockade (DHB) (nach Dr. Robert Leibowitz)
= LHRH-Analogon (Zoladex) + Casodex 150 mg/Tag + Proscar
vom 6.3.2001 bis 6.4.2002 (13 Monate)
Seitdem sog. Erhaltungstherapie mit Proscar 1 Tbl./Tag (Finasterid 5 mg)

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Therapie-Verlauf: PSA PSA-VZ (PSA-Verdoppelungszeit)
03/2000- 4,77 06/2000 5,27 >29 Monate 10/2000 6,05 >27 Monate 12/2000 - Beginn HB1 03/2001 – Beginn DHB 2,33 06/2001 erstmals unmessbar <0,06 04/2002 - Ende DHB <0,06 bis 09/2002 PSA unmessbar <0,06 11/2002 0,10 07/2003 0,67 01/2004 1,58 03/2004 1,89 07/2004 -- zusätzlich. 2. Proscar 2,74 08/2004 – wieder nur 1 Proscar 1,82 09/2004 2,15 11/2004 2,30 02/2005 2,67
04/2005 2,53 | 07/2005 2,55 | 10/2005 2,70 >51 Monate | PSAVZ 01/2006 2,91 >39 Monate > >62 Monate 04/2006 3,08 >51 Monate | 07/2006 3,15 >12 Jahre | 10/2006 3,26 > 7 Jahre | 01/2007 3,55 > 4 Jahre |
6.Apr. 2006 PSA = 3,08 ng/ml, CEA = 2,5 ng/ml, CGA = 27 (gestiegen! letzter Wert 10, Normwert <110) NSE = 12,4(<12,5), PAP = 1,1 (<2,5), AP = 77 (56...119)
Alle diese Werte sind im Normalbereich!
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