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Zusammenfassung „Behandlung von lokalisiertem Prostatakrebs mit Dreifacher Androgenblockade“
Auszug aus einem Brief von Dr. Leibowitz vom 7. Dezember 2000 an Christian Ligensa:
Ich habe vor kurzem ein Manuskript an ein medizinisches Journal geschickt. Der Titel dieses Manuskripts lautet „Behandlung von lokalisiertem Prostatakrebs mit Dreifacher Androgenblockade“. Dieses Manuskript ist von dem Redaktionsgremium des medizinischen Journals geprüft worden und es wurde mit der Auflage einiger Änderungen zur Veröffentlichung angenommen.
Um Sie auf den neuesten Stand zu bringen, erläutere ich Ihnen meine Ergebnisse bei den ersten 120 Patienten, die ihren Anfangszyklus der Dreifachen Hormonblockade abgeschlossen haben:
Ich habe die Ergebnisse der ersten 120 Patienten durchgesehen, die ihren ersten Zyklus der Dreifachen Hormonblockade beendet haben und zur Zeit nur Proscar, 5 mg, einmal am Tag einnehmen, die sogenannte Proscar-Erhaltungstherapie. Eine vorläufige Analyse dieser Ergebnisse wurde in den „Proceedings of the American Society of Clinical Oncology“, Volume 19, 2000, Abstract Number 1493, mit dem Titel „Hormonblockade als die einzige Behandlung von Prostatakrebs mit klinischer Klassifikation T1 bis T3 bei 100 Patienten“ veröffentlicht.
Das durchschnittliche Alter der Männer aus der Serie [der 120 Patienten – Anm. d. Übers.] beträgt etwa 66 Jahre. Der durchschnittliche Gleason Score ist etwa 6,59. Der durchschnittliche Basis-PSA-Wert ist ungefähr 13 ng/ml. 120 Männer haben die Therapie abgesetzt. Ungefähr 57 von ihnen haben die Therapie mindestens seit zwei Jahren beendet. Die längste Zeit nach Absetzen der Hormonblockade bei allen diesen Männern beträgt jetzt zehn Jahre und fünf Monate. Die durchschnittliche Zeit nach Absetzen bei den 57 Männern ist viereinhalb Jahre. Für diese 57 Männer war der anfängliche PSA-Wert durchschnittlich etwa 12,6 ng/ml und mehr als viereinhalb Jahre später war, bei einem höheren Testosteronwert als vor der Behandlung, deren durchschnittlicher PSA-Wert 1,86 ng/ml.
Für die 93 Männer, die mehr als ein Jahr die Hormonbehandlung beendet hatten, beträgt der mittlere Beobachtungszeitraum nach Beendigung der Hormonblockade drei Jahre und neun Monate, ihr durchschnittlicher PSA-Wert ist 1,70 ng/ml.
Der durchschnittliche Testosteron-Wert nach der Hormonblockade beläuft sich jetzt auf 4,00 ng/ml (der Normalbereich ist etwa 2,00 bis 8,00 ng/ml).
Die durchschnittliche Dauer der Hormonblockade für alle an dieser Studie beteiligten Männer beträgt 13 Monate, und die Anzahl der Männer, die einen zweiten Zyklus der Hormonblockade begonnen haben, beträgt mit Datum 7. Dezember 2000 zwei. Der erste der zwei wieder behandelten Patienten erschien bei mir zum erstenmal im Juni 1998 mit einem PSA von 45 ng/ml und einem Gleason Score von 9. Er wurde 13 Monate lang mit der Dreifachen Hormonblockade behandelt, aber seit er die Hormonblockade abgesetzt hat, ist sein PSA-Wert langsam aber stetig gestiegen. Er erreichte 14 ng/ml und – obwohl ich eine Behandlung mit Thalidomid und Aredia empfohlen hatte –, ging er nach Stanford, wo er wiederum eine Hormonblockade begann. Sein PSA-Wert fiel wieder auf 2,5 ng/ml nach 2 Monaten Wiederbehandlung mit Hormonblockade und nach vier Monaten fiel er weiter auf 0,7 ng/ml. Ich bin gerade wieder zu seiner Beratung hinzugezogen worden und habe angeordnet, dass er zusätzlich zu weiteren 12 Monaten Hormonblockade auch mit Chemotherapie behandelt werden soll.
Ein zweiter Patient war etwa seit einem Jahre von der Hormonblockade abgesetzt, als er Hämaturie entwickelte [pathol. Ausscheidung von Erythrozyten im Harn, d. i. Blutbeimengung zum Urin – Anm. d. Übers.]. Die Zystoskopie [Verfahren zur Lokalisierung der Blutungsquelle – Anm. d. Übers.] entdeckte ein sog. „duktales Adenocarcinom der Prostata“. Das ist eine seltene Form des Prostatakrebses. Aus einer Serie von 1600 hatten nur sechs Patienten diese Unterkategorie des Krebses. Diese verhält sich viel aggressiver und reagiert auch nicht so gut auf die Hormonblockade. Dieser Patient wurde wieder auf Hormonblockade gesetzt, und im weiteren Verlauf der Untersuchungen entdeckten wir auch Metastasen der Lymphknoten. Sein PSA-Wert war 13 ng/ml, bevor er wieder die Hormonblockade begann, und er wurde auch mit Chemotherapie plus Hormonblockade behandelt. Nach nur zwei Monaten des Wiederbeginns der Behandlung war sein PSA-Wert wieder auf 0,8 ng/ml gesunken. Daher ist er der einzige Patient in dieser Serie, der Metastasen entwickelte.
Ein dritter Patient, der von mir wieder behandelt wurde, hatte zum Zeitpunkt seiner Vorstellung in der Praxis einen Gleason Score von 10 und einen PSA-Wert von 8 ng/ml, er hatte bereits 3½ Monate lang eine Einfach-Hormonblockade mit Lupron [Handelsname für ein LHRH-Analogon, Wirkstoff Leuprorelinacetat - Anm. d. Übers.] erhalten, bevor er zu mir kam. Danach erhielt er 13 Monate lang die Dreifache Hormonblockade. Dieser Patient ist wieder zurück bei Hormonblockade, jedoch gehört er nicht zu der Serie der hier betrachteten Männer, da er die 3½ Monate Enantone/Trenantone Monotherapie erhalten hatte, bevor er mit der Dreifachen Hormonblockade began. Die Schlussfolgerung, die ich aus diesen drei Patienten, die eine Wiederbehandlung benötigten, ziehe, ist jedoch, dass wir Männern mit schwerer lokal fortgeschrittener Krankheit und/oder einem Gleason Score von 9 oder 10 oder deren anfänglicher PSA-Wert 30 und höher war, dringend eine zusätzliche Chemotherapie empfehlen: 12 oder 15 Dosisgaben Taxotere/Emcyt/Decadron und wahrscheinlich auch Carboplatin, da bei den meisten dieser Patienten Therapien systemisch versagen. Ich glaube, nur zwei Männer von 120 Männern in der Studie in einer Wiederholungsbehandlung, das ist ein wunderbarer Rekord. Ich habe niemals geglaubt, dass diese Behandlung 100 % aller Männer heilen würde, daher sind diese Ausnahmen sicherlich nicht überraschend.
In der Gruppe der originären 120 Männer gab es eine Untergruppe, deren Ausgangs-PSA-Werte höher als 20 waren. Deren durchschnittlicher PSA-Wert war 34 ng/ml. In der selben Gruppe gab es 38 Gleason Score 7, sieben Gleason Score 8, sieben Gleason Score 9 und einen Gleason Score 10.
Alle Männer, die einen Testosteronwert vor der Behandlung im Normalbereich hatten, erreichten nach Wiederherstellung Werte über 1,80 ng/ml. Kein einziger Mann entwickelte hormonresistenten oder gar hormonrefraktären Prostatakrebs.
Wie sie wissen, wird die Rolle der Hormonblockade allein zur Behandlung klinisch lokalisierter oder lokal fortgeschrittener Krankheit in zunehmendem Masse diskutiert. Labrie berichtete kürzlich über eine Serie von Männern mit lokal fortgeschrittener Krankheit, die allein mit Hormonblockade behandelt worden sind. Seine Schlussfolgerung ist, dass Hormonblockade allein sehr wohl eine äußerst effektive und effiziente Art der Behandlung von lokal fortgeschrittenem Prostatakrebs sein könnte.
Seit Melchior gezeigt hat, daß etwa drei Viertel der Männer, die gerade im Begriff waren, sich wegen eines klinisch lokalisierten Prostatakrebses einer radikalen Prostatektomie zu unterziehen, PSA-positive Zellen in ihrem Knochenmark hatten, nachdem sie mit RT-PCR untersucht worden waren, stärkt das unsere Überzeugung, dass es sich bei ungefähr drei Viertel aller Männer zum Zeitpunkt der Diagnose um eine systemische Krankheit handelt. Wenn also, und ich betone ausdrücklich „wenn“, das der Fall ist, dann könnte die Behandlung der lokal begrenzten Krankheit tatsächlich eher schädlich sein, weil dies begreiflicherweise die Quelle von Angiostatin und Endostatin oder einigen anderen Substanzen entfernt, die das Wachstum von Metastasen behindern. Ganz klar ist diese letztere Aussage Spekulation, aber es ist das, was ich glaube. Solange der Wert einer lokalen radikalen Therapie weder als notwendig noch als auch effektiv nachgewiesen ist, werde ich weiterhin nur den Einsatz der systemischen Therapie empfehlen. Es scheint Ironie zu sein, daß wir einiges von der Arbeit von Byar einfach wiederentdeckt haben, der in der bis zum heutigen Tag einzigen prospektiven randomisierten Studie gezeigt hat, dass der Einsatz allein von Placebos mindestens so effektiv ist, wie die radikale Prostatektomie plus Placebos, um die Stadien I und II des Prostatakrebses unter Kontrolle zu halten.
Christian, ich möchte Ihnen herzlich danken für die Mühe, die Sie sich für die Männer in Deutschland und anderswo machen. Jedes Mal, wenn ich von einem Patienten aus einer entfernteren Gegend erfahre, dass er über die Dreifache Hormonblockade Bescheid weiß und mit ihr erfolgreich behandelt worden ist, muss ich mit innerer Freude vor mich hinlächeln. Ich weiß, dass es zukünftig einige Männer geben wird, für die diese Behandlung wahrscheinlich nicht ausreicht. Wir versuchen Faktoren für eine abnormale Prognose zu identifizieren, wie ich dies weiter oben diskutiert habe. Diese Therapie der Dreifachen Androgenblockade ist jedoch eindeutig der am wenigsten starke Eingriff und mit Sicherheit der mit den geringsten Nebenwirkungen.
Jedesmal, wenn ich meinem zweiten jemals mit diesem Protokoll behandelten Patienten begegne, werde ich ermutigt. Sein Name ist Max Kay. Er kam mit einem PSA-Wert von 34 ng/ml im September 1991 zu mir in die Praxis. Er wurde zwei Jahre lang mit der Hormonblockade behandelt, weil ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, dass 13 Monate ausreichen. Er hat in den vergangenen sieben Jahren nur Proscar erhalten. Sein Ausgangswert war also 34 ng/ml, sein letzter vor kurzem gemessener PSA-Wert 2,4 ng/ml. Dieser Patient sagt uns, wie erfolgreich Hormonblockade allein sein kann, sogar bei jemandem mit einem so hohen PSA-Wert, wie er ihn hatte.
Ein Wort zu Ihrer persönlichen Situation: ich freue mich, dass Ihr Testosteronwert wieder im Normalbereich liegt und dass Ihr PSA-Wert nur 1,4 ng/ml beträgt. Mit größter Wahrscheinlichkeit wird Ihr PSA in allernächster Zeit das erwartete Plateau erreichen und wir freuen uns, wenn das eintritt.
Und wie immer, wĂĽnsche ich Ihnen GlĂĽck, Wohlergehen und ein langes Leben
Dr. Bob
Ăśbersetzt von Christian Ligensa
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