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DIE FAKTEN, HERR DOKTOR, NUR DIE FAKTEN (The Facts, Doc, just the Facts!) Bob Leibowitz, M.D., Diplomate American boards of internal medicine and subspecialties of medical oncology and hematology
Ich habe gerade einen Artikel gelesen, der genau zur richtigen Zeit kommt. Im folgenden daraus einige Zitate und freie Wiedergabe. âSeit kurzem stellen einige Urologen die grundsĂ€tzlich unangefochtene Stellung der radikalen Prostatektomie bei der Behandlung des frĂŒhen Prostatakrebses in Frage. ZusĂ€tzliche Daten, die fĂŒr die Betrachtung dieser Frage nĂŒtzlich sein können, werden gleich mitgeliefert: âUntersuchungen des Auftretens vom mikroskopisch nachweisbarem Krebs in MĂ€nnern, die ansonsten keine medizinische Hilfe gesucht hatten, haben ein hohes Auftreten von unerwarteten Tumoren ergeben. Das bemerkenswerte Fehlen von AggressivitĂ€t der Tumoren in dieser Untersuchungsreihe legt nahe, dass sie zum Teil fĂŒr folgendes PhĂ€nomen reprĂ€sentativ sein können: HĂ€tten diese Patienten nicht die Erhebung des PSA-Wertes oder eine transurethrale Resektion gebraucht, so ist es unwahrscheinlich, dass die meisten dieser Tumore zu Lebzeiten dieser Patienten entdeckt worden wĂ€ren.â Der Artikel fĂ€hrt fort: âEine zusammenfassende Untersuchung von vier weiteren neueren Reihen aus der Literatur sowie der hier vorliegenden Reihen sĂ€mtlich von nicht mit radikaler Prostatektomie behandeltem Prostatakrebs im ersten Stadium hat ergeben, dass die Zahl der an Prostatakrebs gestorbenen MĂ€nner insgesamt nur bei 1,9 % liegt.â Die Untersuchungszeitraum war in den verschiedenen Reihen natĂŒrlich unterschiedlich (In dieser speziellen Reihe war der Untersuchungszeitraum etwas mehr als fĂŒnf Jahre.). Weiter teilt dieser Artikel mit: âAus unserer Untersuchung und anderen veröffentlichten Untersuchungsreihen geht fĂŒr uns klar hervor, dass die radikale Prostatektomie als empfohlene Therapie fĂŒr Patienten mit zufĂ€llig mikroskopisch entdecktem Prostatakrebs nicht gerechtfertigt ist, das heiĂt fĂŒr Patienten mit Krebs im Stadium 1. Ein sehr groĂer Anteil dieser Patienten wird nicht an Prostatakrebs sterben.â Und der Artikel schlieĂt: âDiese Ergebnisse legen nahe, dass die Rolle der radikalen Prostatektomie fĂŒr Krebs im Stadium 1 sehr genau ĂŒberdacht werden mussâ
Dabei ist höchst bemerkenswert, dass ich nicht glaube, dass der Leser auf meine Frage nach dem Erscheinungsdatum dieses Artikels, auch nur annĂ€hernd richtig raten wĂŒrden. Dieser Artikel erschien unter dem Titel âĂberlebensraten von Patienten mit zufĂ€llig mikroskopisch nachgewiesenem Krebs der Prostataâ im Journal of Urology, der Verfasser war Dr. David P. Byar. Er erschien in Bd. 105, Dezember 1972, S. 908913 ff. Kaum zu glauben!! Vor 25 Jahren, nicht 1992.
Diese Untersuchung umfasste 148 Patienten, deren Prostatakrebs anlĂ€sslich einer transurethralen Resektion der Prostata, TURP (Rotationsschaber) diagnostiziert wurde und die sich der radikalen Prostatektomie verweigerten. Diese MĂ€nner wurden nur mit Hormonblockade behandelt, insbesondere Ăstrogen oder Kastration. Bis zum Verfassen des Artikels waren von den 148 MĂ€nnern 72 verstorben. Bei 22 wurde eine Autopsie erlaubt. Nur bei einem der 22 wurden Reste von Prostatakrebs gefunden. Dies sagt uns, dass 21 der 22 MĂ€nner offensichtlich allein durch die Hormonblockade geheilt worden waren. Keiner hatte die radikale Prostatektomie zugelassen. Die Hormonblockade hatte sie von dem Prostatakrebs in der Prostata und auch ĂŒberall sonst befreit. Bei der Autopsie wurde nirgendwo irgendein Anzeichen von Krebs entdeckt. âZeigt mir den Krebs.â Das geht nicht, er war vollstĂ€ndig weg.
Und weiter: TodesfĂ€lle durch Prostatakrebs nach Behandlungsmethode: Placebo, Null TodesfĂ€lle durch Prostatakrebs; Ăstrogen, Null TodesfĂ€lle; Kastration, Null; Kastration plus Ăstrogen, Null TodesfĂ€lle durch Prostatakrebs. Mehr als fĂŒnf Jahre dokumentierte Nachsorge und dennoch, kein einziger Todesfall durch Prostatakrebs bei den MĂ€nnern mit Prostatakrebs im Stadium 1, die eine Operation verweigert hatten. Und rufen Sie sich die Daten der Autopsie von Wayne State in Erinnerung: 27 % der MĂ€nner von 30 bis 40 haben Prostatakrebs; 34 % der MĂ€nner in den Vierzigern haben ihn. Und erinnern Sie sich, dass ihn etwa 80 % aller MĂ€nner in den Achtzigern haben. Und schlieĂlich, ungefĂ€hr 40 % aller MĂ€nner, bei denen Autopsie durchgefĂŒhrt wird, haben Prostatakrebs; nur zwei bis drei Prozent sterben daran. Die meisten sterben damit.
Bei der Konferenz der American Society of Clinical Oncology 1997 kamen die Sprecher einer Weiterbildungsveranstaltung zu Thema âKontroversen bei der Behandlung von frĂŒhem Prostatakrebsâ zu dem Schluss, dass nach heutigem Stand die richtigen Therapien von klinisch begrenztem Prostatakrebs die radikale operative Entfernung (Prostatektomie), Bestrahlung sowie beobachtendes Abwarten umfassten Ich war der erste aus dem Auditorium, der erwidern durfte. Am Ende des Vortrag schubste ich Frauen, Kinder und religiöse Potentaten einfach weg, so dass ich als erster das Mikrofon ergattern konnte. Ich sagte, wenn beobachtendes Abwarten heutzutage eine akzeptable Behandlungsoption darstelle, dann kĂ€me man sicher nicht darum herum, ein Jahr dreifache Hormonblockade zu den geeigneten Therapien der Wahl zu zĂ€hlen. Nicht einer der ĂŒber 500 Krebsspezialisten im Auditorium widersprach mir. Meine Schlussfolgerung blieb unwidersprochen.
Schauen wir uns die Ergebnisse von radioaktiven Implantaten an; im Juli 1997 erschien im Journal of Urology ein einschlĂ€giger Artikel. Er berichtete ĂŒber Ergebnisse von ursprĂŒnglich 1078 Patienten, die Dr. Willet Whitmore behandelt hat. Es handelte sich um MĂ€nner mit klinisch lokalisiertem Prostatakrebs. Sie wurden auf retropubischem Wege mit Implantaten von Jod I-125 behandelt. NatĂŒrlich werden Implantatspezialisten darauf hinweisen, dass diese Patienten zwischen 1970 und 1987 behandelt wurden, und unsere Technologie seitdem enorm verbessert worden sei, und deshalb sollten Sie diese Ergebnisse nicht berĂŒcksichtigen. Werfen Sie diese blöde Untersuchung weg, wir machen das heute doch viel besser, oder etwas in dieser Art. Ich möchte jedoch auf folgendes hinweisen: falls die Urologen, die im wesentlichen dieses Verfahren erfunden haben, 1078 Patienten operieren dĂŒrften und das am Memorial Sloan-Kettering Krankenhaus in New York, dann wĂ€ren diese Patienten und ihre Ărzte sicherlich ĂŒberzeugt, dass diese Behandlung genauso gut ist wie radikale Prostatektomie. (Sie könnten recht haben: besonders weil ich glaube, dass die Ergebnisse der Radikalchirurgie genau so schlecht sind wie die der radioaktiven Implantate...)
Um weiter derartig viele Patienten zu behandeln, mussten die vorlĂ€ufigen Ergebnisse recht gut aussehen. NachprĂŒfung bei diesen 1078 Patienten 15 Jahre nach ihrer Operation ergibt jedoch, dass weniger als 14 % ihre Krankheit unter Kontrolle bringen konnten. Ich behaupte, wenn Dr. Whitmore mit radikaler lokaler Behandlung bei nur 14 % der Patienten den klinisch lokalisierten Prostatakrebs unter Kontrolle bekommen kann, dann funktioniert radikale lokale Behandlung einfach nicht. Die ĂŒbrigen 86 % sind Versager mit wiederkehrendem Prostatakrebs.
Wie erleben zunehmend, dass andere Fachleute bestĂ€tigen, dass wir noch immer bei weitem viel zu viele radikale Behandlungen durchfĂŒhren (siehe auch meinen vor kurzem erschienenen Artikel âdie Epoche des Ăbergangsâ). Bei einer Vorlesung in Santa Monica sagte Dr. Stan Brosman, ein bekannter Urologe voraus, dass die Anzahl der radikalen Prostatektomien in den kommenden zwölf Monaten wenigstens um ein Drittel zurĂŒckgehen werde. Sie wissen, wennâs nach mir ginge, wĂŒrden 99 % der radikalen Prostatektomien wegfallen.
Ich bin geradezu perplex ĂŒber das riesige AusmaĂ der Marketingkampagne, mit der Patienten und Ărzte von der Notwendigkeit radikaler lokaler Behandlung ĂŒberzeugt werden sollen, zumal es doch keine Daten gibt, die dies untermauern. Bis zu dem Tag, an dem Notwendigkeit und Wirksamkeit radikaler Behandlungsformen bewiesen sind, und wo festgestellt ist, dass sie die Ergebnisse einer einjĂ€hrigen dreifachen Hormonblockade verbessern, werde ich sie nicht empfehlen. Es sollte doch ziemlich einfach sein nachzuweisen, wie falsch ich liege, indem man ganz einfach das Schrifttum hervorholt, das anhand einer prospektiven Stichprobenuntersuchung beweist, dass radikale lokale Behandlung sowohl notwendig als auch wirksam ist. Der Artikel aus dem Jahre 1972 forderte eine solche Untersuchung. Ein Vierteljahrhundert spĂ€ter gibt es immer noch keinen Beweis fĂŒr die Notwendigkeit und Wirksamkeit radikaler lokaler Behandlung. Der Grund könnte sein, dass sie weder notwendig noch wirksam ist. Wie lange noch machen wir mit diesen Therapien noch weiter, bis einer endlich seinen Kopf aus dem Fenster steckt und schreit: âWir kochen verdammt noch mal vor Wut und wir lassen uns das nicht mehr bieten.â
Es ist doch klar: Wir diagnostizieren heute viele Patienten positiv, die keine Prostatakrebsdiagnose bekommen wĂŒrden, wenn es keinen PSA-Wert gĂ€be. Wir wissen auch, dass 40 % aller MĂ€nner, bei denen eine Autopsie durchgefĂŒhrt wird, Prostatakrebs haben; nur sieben bis acht Prozent entwickeln zu Lebzeiten Symptome, und nur zwei bis drei Prozent sterben daran. Wenn wir also die 40 % aller MĂ€nner identifizieren können, die ihn haben, mĂŒssen wir dann bei allen eine radikale Prostatektomie machen, wenn wir noch nicht einmal wissen, ob die radikale Prostatektomie fĂŒr die kleine Anzahl der Patienten etwas bringt, die davon ĂŒberhaupt einen Nutzen haben könnten? Wir wissen, dass radikale lokale Therapien mit erheblich gröĂerer ToxiditĂ€t einhergehen als zugegeben und dass Ăberlebende mit PSA-Werten unter der Versagensgrenze viel nĂ€her bei den 14 bis 16 % liegen, die Willet Whitmores Untersuchung ergeben hat, als bei der sogenannten Erfolgsquote von 80 oder 90 %, die andere fĂŒr ihre radikalen lokalen Therapien beanspruchen. Ich weise darauf hin, dass wenn man radioaktive Implantate oder sonstige radikale Therapien bei Patienten mit PSA-Werten mit einer Stelle vor dem Komma und Gleason Scores von 6 oder weniger anwendet, dann werden diese MĂ€nner zu einem spĂ€teren Zeitpunkt einen RĂŒckfall erleben als MĂ€nner, die nicht so sorgfĂ€ltig ausgesucht wurden. Wenn man dann statistisch hoch rechnet und relativ kurze KontrollzeitrĂ€ume von drei bis fĂŒnf Jahren setzt, dann sehen die Daten recht erfolgreich aus. Wir wissen jedoch aus der Untersuchung der Mayo Klinik von MĂ€nnern mit Prostatakrebs A2, dass zwischen dem zehnten und fĂŒnfzehnten Jahr immer wieder RĂŒckfĂ€lle in stetigem AusmaĂ auftreten, ohne dass sich eine Schulter oder ein Plateau auf der freien Ăberlebenskurve ausbilden wĂŒrde. Nur 35 % der MĂ€nner haben nach 15 Jahren keinen PSA-Anstieg, und die Anstiege setzen sich auch nach 15 Jahren weiter fort. Ich bin der Meinung, dass radikale Behandlung bei MĂ€nnern mit niedrigen PSA-Werten und niedrigen Gleason Scores normalerweise hohe erfolgreiche Ăberlebensraten in den ersten paar Jahren zeigt, dass aber das Versagen mehrere Jahre spĂ€ter erkennbar ist, und die Langzeitergebnisse wahrscheinlich nicht besser sind, als ob man einem von drei MĂ€nnern mit unmessbarem PSA-Wert zum Ăberleben verhilft. Dies sind wahrscheinlich dieselben MĂ€nner, die nicht an Prostatakrebs gestorben wĂ€ren, wenn man sie in Ruhe gelassen hĂ€tte.
Wenn man auĂerdem die jetzt verfĂŒgbaren ultrasensitiven Verfahren zur Bestimmung des PSA-Wertes benutzt, anstatt willkĂŒrlich festzulegen, dass PSA-Werte bis 0,2 gleich Heilung sind, dann glaube ich, wird man einen erheblich realistischeren Prozentsatz der versagensfreien Ăberlebensrate feststellen. (Und das bedeutet, dass erheblich weniger MĂ€nner als in der Reihe von Pat Walsh behauptet ohne problematischen Anstieg des PSA-Wertes ĂŒberleben.) Ich bin der Ăberzeugung, dass weniger als ein Drittel der MĂ€nner das 10. oder 15. Jahr nach einem Eingriff ohne problematischen Anstieg des PSA-Wertes erleben.
Im Juli 1997 erschien im New England Journal of Medicine (Bd. 337, Nr. 5) ein Artikel von Bolla et al., der ĂŒber die Ergebnisse einer Zufallsstichprobe von MĂ€nnern mit Strahlentherapie allein und Strahlentherapie plus Hormonblockade berichtete. Die Ergebnisse lassen aufhorchen: 79 % der Patienten, die Hormonblockade plus Strahlentherapie erhielten, ĂŒberlebten fĂŒnf Jahre, und nur 62 % von denen, die allein mit Strahlentherapie behandelt wurden. Aber noch wichtiger, dass die Ăberlebensrate mit problemlosem PSA-Wert bei Strahlentherapie allein nur bei 48 % lag, hingegen war sie 85 % bei Strahlentherapie mit Hormonblockade. Die mittlere Zeit bis zur Kontrolluntersuchung lag bei nur 45 Monaten, deshalb bin ich recht sicher, dass natĂŒrlich noch viele Patienten in dem Bestrahlungsarm das Therapieziel nicht erreichen werden. Was diese Untersuchung klar beweist, ist dass Hormonblockade in der Behandlung von Prostatakrebs sehr nĂŒtzlich ist. Hierbei handelte es sich um MĂ€nner mit lokal fortgeschrittenem Prostatakrebs. Diese Untersuchung zeigt keinen Nutzen durch Hinzunahme der Bestrahlung. Ich behaupte seit vier Jahren , dass wir einen Arm nur mit Hormonblockade brauchen, um festzustellen, ob Bestrahlung irgendeinen einen zusĂ€tzlichen Vorteil hergibt im Vergleich zu Hormonblockade allein. In der Tat bemerkt Dr. John Blasko, der bekannte Vertreter der Implantation radioaktiver Elemente, in seiner Besprechung des Untersuchungsberichts auf Seite 340, dass frĂŒhere Untersuchungen darauf hindeuteten, dass die Behandlung von lokal fortgeschrittenem Prostatakrebs NUR mit Hormonblockade genau so wirksam ist wie die mit Bestrahlung kombinierte Hormonblockade. Da ist natĂŒrlich genau, was ich behaupte: Dass wissenschaftliche Untersuchungen keinen Nutzen der Hinzunahme von Bestrahlungstherapie zur Hormonblockade nachweisen konnten.
Langsam kann ich andere in der Fachgemeinschaft erkennen, welche nun soweit sind, die enorm hohe Ausfallquote aber auch aller radikalen lokalen Therapien zu bestĂ€tigen und die sich fragen, ob Hormonblockade allein nicht die beste Behandlung fĂŒr unsere Patienten darstelle. Ein Artikel aus dem Journal of Urology vom August 1997 (Band 158. Seite 319 ff) enthĂ€lt auf Seite 323 faszinierende Informationen. Eine Tabelle mit statistischen prozentualen Erfolgsquoten biochemischer Kontrolle des PSA-Wertes fĂŒr einen Zeitraum von fĂŒnf Jahren. Diese Tabelle zeigt, dass Beherrschung durch Biochemie sich erstreckt von einem niedrigen Wert von fĂŒnf Prozent bis zu einem Maximum von 89 Prozent, bei einer anderen Patientenkategorie von 24 bis 100 Prozent, bei einer weiteren von 24 bis 92 Prozent. Diese wie wild ausschlagenden âErfolgsquotenâ werden in dem Artikel dann erlĂ€utert. Und die ErklĂ€rung ist wie folgt: âJe nachdem welche Definition von biochemischer Kontrolle benutzt wurde (auf der Basis der Definitionen der drei gröĂten akademischen Institutionen der Strahlentherapie in der Literatur), ergaben sich statistisch erhebliche Unterschiede im Gesamtergebnis der Behandlung, die ausschlieĂlich auf die gewĂ€hlte Definition zurĂŒckzufĂŒhren waren.â Das bedeutet, dass die verschiedenen sogenannten Erfolgsquoten einfach davon abhingen wie der Verfasser des jeweiligen Artikels den Begriff Erfolg definierte. Einige definierten Erfolg mit einem PSA-Wert von weniger als eins; einige als weniger als 1 Komma x; andere als weniger als 4, und wieder andere als lokale klinische Kontrolle. Deshalb kann die Literatur zur Strahlentherapie der gröĂten drei akademischen Fachinstitutionen der Bestrahlungsliteratur Erfolgsquoten von 100 % beanspruchen, wenn ihr Erfolg als klinisch lokale Kontrolle der Prostata definiert wird, wenn man aber in der gleichen Studie einen PSA-Wert von kleiner als 1 benutzt, dann fĂ€llt die Erfolgsquote auf 24 %. FĂŒr Heilung nach Strahlentherapie halten es die meisten Fachleute fĂŒr notwendig, dass der PSA-Wert auf unter 0,5 fĂ€llt und dann auch dort bleibt. Ich behaupte, dass wir bei Benutzung ultrasensitiver MeĂmethoden des PSA-Wertes zu dem Ergebnis kommen, dass die wahre Heilungsquote nĂ€her bei 24 als bei 100 Prozent liegt.
Weiteres Beweismaterial zur BestĂ€tigung der Unwirksamkeit der Strahlentherapie allein liefert ein Untersuchungsbericht von J. Laverdiere, abgedruckt im International Journal of Radiation Oncology, 1997, Bd. 37 (2:247252). Seine Untersuchung umfasste eine Zufallsstichprobe vom 118 Patienten mit Prostatakrebs im klinischen Stadium B und C in drei unterschiedlichen Gruppen. In Gruppe eins nur Bestrahlung; Gruppe zwei dieselbe Bestrahlung mit vorausgehender dreimonatiger Behandlung mit Enantone/Trenantone und Flutamid; und schlieĂlich Gruppe drei, drei Monate Enantone/Trenantone und Flutamidbehandlung gefolgt von der gleichen Bestrahlung, jedoch bei fortgesetzter Enantone/Trenantone- und Flutamidgabe wĂ€hrend und sechs Monate nach der Bestrahlung (also insgesamt 10,5 Monate Behandlung mit kombinierter Androgenblockade, nicht dreifacher Hormonblockade). Von allen Patienten wurden zwei Jahre nach der Bestrahlung Biopsien genommen. Gruppe eins, nur Bestrahlung, ergab fĂŒr 65 % den Biopsiebefund Prostatakrebs, in Gruppe zwei mit dreimonatiger Hormonblockade hatten nur 28 % Prostatakrebs; und mit zehneinhalb Monaten Hormonblockade plus Bestrahlung hatten nur 5 % der Patienten Prostatakrebsbefund aus der Biopsie. Diese Studie zeigt klar, dass Hormonblockade bei MĂ€nnern mit Prostatakrebs notwendig ist und sie beweist weiter, dass zehneinhalb Monate Hormonblockade einer dreimonatigen Hormonblockade bei weitem ĂŒberlegen ist (meiner Meinung nach, wĂ€ren 13 Monate ideal.). Die gleiche Verteilung ergab sich fĂŒr ungenĂŒgende PSA-Werte.
M.D. Anderson berichtete vor kurzem, dass die Versagerquote fĂŒnf Jahre nach Strahlentherapie allein bei 82 % liege, bei Strahlentherapie plus Androgenblockade sei der Anteil der Erfolglosigkeit nur 15 %. Diese Ergebnisse erschienen in Clinical Oncology Alert, Bd. 12, Nr. 10, Seite 74, Oktober 1997. Ich glaube, dass alle diese Untersuchungen zu demselben Schluss kommen: Bestrahlung allein ist fast wertlos; Hormonblockade ist hoch wirksam. Keine dieser Untersuchungen sagt aus, dass Bestrahlung zusĂ€tzlich zur Hormonblockade irgend etwas bringt, da diese Frage nicht untersucht wurde. Mein GefĂŒhl sagt mir, dass in aller Wahrscheinlichkeit den meisten wenn nicht allen betroffenen MĂ€nner mit Hormonblockade allein genauso gedient gewesen wĂ€re, aber nochmals, das ist meine Meinung.
Mein GefĂŒhl bestĂ€rkt mich mehr denn je in meiner Ăberzeugung, dass fast monatlich weitere Literatur veröffentlicht wird, die zum Fall der radikalen lokalen Behandlungsformen fĂŒhren wird. Immer wieder habe ich in meinen verschiedenen Veröffentlichungen betont, dass keine einzige prospektive Stichprobenuntersuchung weder die Notwendigkeit noch die Wirksamkeit radikaler lokaler Behandlung je nachgewiesen hat. Deshalb zu Thanksgiving 1997: âDie beste lokale Behandlung ist systemische Behandlung.â
Die lĂ€ngste Datenreihe eines Patienten mit klinisch lokalisiertem Prostatakrebs aus meiner Praxis geht ĂŒber sechs Jahre, PSA-Wert 34, Behandlung nur mit Hormonblockade und dann Proscar-Erhaltungsdosis. Zoladex und Antiandrogen wurden vor ĂŒber vier Jahren (seit September 1993) abgesetzt und sein PSA-Wert liegt jetzt um 2. Er ist nie lokal behandelt worden; ein Zyklus Hormonblockade war alles, was er bisher brauchte. In allen anderen FĂ€llen, die ich wegen klinisch lokalisiertem Prostatakrebs behandelt habe, gibt es einen Patienten, dessen PSA-Wert 4,2 erreicht. Alle anderen meiner Patienten haben PSA-Werte zwischen 0,1 und circa 2. Kein einziger Patient musste neuerlich behandelt werden; alle diese Patienten haben anfĂ€nglich 13 Monate Hormonblockade erhalten, gefolgt von der Proscar-Erhaltungsdosis, und sind nicht etwa auf intermittierender Androgenblockade, da sie ja nicht neuerlich behandelt werden mussten So unterstelle ich einfach, dass meine vorlĂ€ufigen Ergebnisse eine Erfolgsquote von 100 % darstellen, zumal ich bei keinem einzigen die Behandlung neu aufnehmen musste Ich habe bis jetzt circa hundert MĂ€nner auf diese Art behandelt.
Meine dringende Empfehlung an alle MĂ€nner mit klinisch lokalisiertem Prostatakrebs (und in der Tat an alle MĂ€nner mit Prostatakrebs in jedem Stadium) ist, mit dreifacher Hormonblockade anzufangen. Dann können sie sich wĂ€hrend der folgenden 12 bis 13 Monate ĂŒberlegen, falls ĂŒberhaupt, welche Art von lokaler Behandlung sie noch wĂŒnschen.
Nachdem Sie sich jetzt mit diesem zusĂ€tzlichen Wissen ĂŒber die Wahlmöglichkeiten zur Behandlung von klinisch lokalisiertem Prostatakrebs bewaffnet haben, empfehle ich dringend, dass Sie Ihren Urologen, Radiotherapeuten, Implantatspezialisten und/oder Kryotherapeuten bitten, Ihnen schriftlich eine EinschĂ€tzung der Heilungswahrscheinlichkeit bei der fĂŒr Sie vorgeschlagenen Therapie abzugeben. Sagen Sie, dass Sie das Wort âHeilungsquoteâ geschrieben sehen und schriftlich eröffnet haben wollen, was die Erwartungen fĂŒr eine Heilung sind. Bitten Sie um schriftliche Definition des Begriffs âHeilungâ. Akzeptieren Sie nicht den Begriff âErfolgâ, nachdem ich in diesem Aufsatz die Dehnbarkeit von Erfolgsdefinitionen dargestellt habe. Der Arzt könnte von lokaler Kontrolle der Prostata als seiner Erfolgsdefinition sprechen. Sie glauben, dass âErfolgâ Heilung bedeutet. SchlieĂlich kann man es nicht âErfolgâ nennen, wenn das Gebiet Ihrer Prostata gut aussieht, aber Prostatakrebs sich in Ihren Knochen ausgebreitet hat. Und dennoch tun manche Schriften ĂŒber Prostatakrebs genau dies. Das ist nicht gleichbedeutend mit Heilung. Bestehen Sie darauf, dass man Ihnen das medizinische Referenzmaterial in Kopie gibt, auf dem die Heilungsquoten Ihres Arztes aufbauen. Bestehen Sie darauf, dass man Ihnen die Ăberlebensdauer ohne ĂŒberhöhten PSA-Wert eröffnet, und den PSA-Wert, den der Arzt als Ăberleben ohne problematischen PSA-Wert ansetzt, und dies schriftlich in Ihren Unterlagen dokumentiert wird. Bitten Sie um eine Kopie Ihrer Unterlagen.
Wenn Sie alle Fakten zusammen haben, dann glaube ich, ist Ihre Wahl der Behandlung von klinisch lokalisiertem Prostatakrebs ganz offensichtlich. Bestehen Sie einfach darauf:
Die Fakten, Herr Doktor, nur die Fakten.
Und wie immer, wĂŒnsche ich Ihnen GlĂŒck, Wohlergehen und ein langes Leben.
Dr. Bob
Ăbersetzt von H. J. Weth
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