Ψ-DHB Prostatakrebs-Selbsthilfegruppe Information - Dreifache Hormonblockade
Prostataperlen

PROSTATA-PERLEN
(Prostate Pearls)
Bob Leibowitz, M.D., Diplomate
American boards of internal medicine and subspecialties of medical oncology and hematology



Als „Perlen“ bezeichne ich gewisse Fakten in der Medizin, die nicht offensichtlich sind und oft nicht logisch erklärt werden können. Und doch kann jede beliebige interessante medizinische Tatsache eine Perle darstellen.

Neue Perlen beim Prostatakrebs:

Wenn Ihre Prostata-Gewebeprobe (unterstellt, die Probe ist repräsentativ) zu 40 % oder mehr Gleason-Grad 4 oder 5 enthält (nicht Gleason-Score, sondern -Grad), dann beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr PSA fünf Jahre nach jedweder Form radikaler lokaler Behandlung unter Kontrolle ist, weniger als 10 %. Offensichtliche Schlussfolgerung ist, dass Sie eine systemische Behandlung brauchen, und keine lokale. Diese Perle wurde kürzlich von Dr. Thomas Stamey mitgeteilt. Während vieler Jahre hat er mir immer wieder sehr wichtige Denkanstöße gegeben.

Daraus folgt (wie in Mathe zu Ihrer Schulzeit):

Die obige Perle bedeutet, dass Sie die Anordnung der beiden Zahlen in Ihrem Gleason Score genau anschauen müssen. z. B. kann dies bedeuten, dass ein Gleason Score von 4+3 eine höhere Wahrscheinlichkeit für das Versagen der Behandlung in sich birgt als ein Gleason Score von 3+4. Und, obwohl ungewöhnlich, ein Gleason Wert von 4+2 wäre schlechter als 3+3. Dies bedeutet auch, dass jeder Gleason Score von 8 oder mehr fast immer systemisch ist, und dann sollten Sie lokale Behandlung am Anfang vermeiden. Fangen Sie mit einer systemischen Behandlung an!

Noch eine Perle:

Männer haben eine höhere Anzahl roter Blutkörperchen als Frauen. Das ist eine Tatsache. Das männliche Hormon ist der Grund dafür. Wenn man mit Hormonblockade behandelt wird, ist zu erwarten, dass die Anzahl der roten Blutkörperchen abnimmt, und genau das geschieht. Eine geringe Anzahl roter Blutkörperchen wird als Anämie bezeichnet. Bei der Dreifachen Hormonblockade haben Männer zu einem bestimmten Grad fast immer Anämie.

Lassen Sie mich das breiter erklären. Wenn man Blut in ein Reagenzglas tut, setzt sich das Blut (das Hämoglobin, das die roten Blutkörperchen enthält) unten ab. Das Plasma oder Serum oder die Flüssigkeit steigt nach oben. Normal sind etwa 44 % rote Blutkörperchen bei Männern, d. h. 44 % ist Blut, 56 % Plasma oder Serum. Bei Frauen ist 36-38 % Blutwert normal.

Wenn ein Mann die Dreifache Hormonblockade erhält, fällt sein Blutwert normalerweise auf circa 36–38 %. Einige wenige können bis auf 32 % fallen; andere bleiben näher bei 40 %. Bei Männern, die diese Anämiesymptome entwickeln, wird die Anämie durch EPO-Spritzen (Erythropoietin) wesentlich gebessert. Die meisten Männer haben keine Symptome und brauchen deshalb kein EPO.

Ich spreche dies an, weil viele Hausärzte (Internisten oder Allgemeinärzte) dieses Wissen nicht haben. Hausärzte rufen mich des öfteren an und äußern Besorgnis, weil sie Anämie bei einem Patienten festgestellt haben. Üblicherweise löst dies bei dem Arzt eine Suche nach den offensichtlicheren Ursachen dieser Anämie aus. Der Arzt ist besorgt, die Anämie könnte von Dickdarmkrebs, Magen- oder Darmblutung herrühren, während sie einfach durch die Hormonblockade bedingt ist. Eisen hilft nicht. Wenn Sie mit der Hormonblockade aufhören, steigt das Testosteron wieder auf normal, die Anämie geht weg.

Es ist wichtig, dass Sie diese Information an Ihren Hausarzt weitergeben, weil das bei Ihnen und ihm die Besorgnis verringert. Falls Sie jedoch schon ein blutendes Geschwür oder blutende Hämorrhoiden haben, könnte Ihre Anämie andere Ursachen als nur die Hormonblockade haben.

Zum Schluss eine Perle: Dr. Bobs Regel Nr. 1 der Onkologie für Patienten mit hormonrefraktärem Krebs:

„Wenn Ihr Alter höher ist als Ihr Gewicht, hat keine Form der Chemotherapie mehr viel Aussicht auf Erfolg.“ [Hier ist zu bedenken, dass Dr. Bob das stillschweigend eine Gewichtsangabe in pounds ~ 450 g voraussetzt und dass dieser Artikel ca. 1997 geschrieben wurde – Anm. d. Übers.]

Daraus folgt: Je früher Sie Ihren auf Prostatakrebs spezialisierten Onkologen aufsuchen, desto besser die Ergebnisse.

Und wie immer wünsche ich Ihnen Glück, Wohlergehen 
und ein langes Leben.

BOB LEIBOWITZ, M.D., AKA Dr. Bob

Übersetzt von H. J. Weth

 
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