Ψ-DHB Prostatakrebs-Selbsthilfegruppe Information - Dreifache Hormonblockade
Entstehende Konzepte

Entstehende Konzepte – Prostatakrebs – 1997-2000

[Dieser Bericht wurde von Dr. Leibowitz im März 1997 geschrieben. Anmerkung des Übersetzers]

Orchiektomie sollte nicht gestattet sein. Kastration ist ein aggressiver, barbarischer Eingriff, der - gelinde gesagt - psychologisch schwierige, meist aber noch viel katastrophalere Auswirkungen auf das Seelenleben eines Mannes hat. Der Hauptgrund jedoch, weshalb dieser Eingriff aus dem ärztlichen Maßnahme - Repertoire verbannt werden sollte, ist seine Unwiderruflichkeit.

Neuere Untersuchungen lassen vermuten, daß Osteoporose nach Orchiektomie (dieser Ausdruck klingt so viel annehmbarer als Kastration) weit häufiger auftritt, als zunächst angenommen. Nach Ablauf von 10 Jahren nach Entfernung beider Hoden erleiden bis zu 50 % der Männer einen Riss im Rückgrad infolge von Druckbelastungen oder Bruch der Hüften. Diese Daten sind zwar noch nicht durch prospektive Studien erhärtet, jedoch wird das Problem mit großer Sorge verfolgt, da ja Kastration irreversibel ist. Es erscheint logisch, daß die Langzeitbehandlung mit Enantone/Trenantone oder Zoladex (LHRH - Antagonist) ähnlich zu Osteoporose führt. Darüber hinaus können Flutamid oder andere Antiandrogene starken Kalziumverlust über den Verlust infolge von chemischer oder chirurgischer Kastration hinaus in den Knochen hervorrufen. Es ist eine Studie erforderlich, in der die Knochendichte vor und während der Behandlung mit Hormonblockade gemessen wird, um das Ausmaß des Kalziumverlustes definieren zu können und um herauszufinden, ob Ernährungsergänzungen notwendig sind.

Wenn die LHRH - Spritzen abgesetzt werden, sollte das der Zeitpunkt sein, zu dem die Osteoporose beginnt, sich wieder zurückzuentwickeln. Man kann aber nicht wieder chirurgisch hinzufügen, was einmal abgeschnitten worden ist. Alle mit Hormonblockade behandelten Männer oder solche, die kastriert worden sind, sollten die Einnahme einer täglichen Dosis von 1500 mg Kalzium plus Vitamin D, 400-800 IU, in Betracht ziehen. Die vorgeschlagene Studie sollte auch eine Gruppe mit diesen Zusatzgaben untersuchen, um herausfinden zu können, welche Mengen von Kalzium und Vitamin D ausreichen, um den Verlust von Knochensubstanz zu verhindern.

Selbst dann, wenn Osteoporose das einzige Problem in diesem Zusammenhang wäre, würde ich die reversible Therapie wählen (Zoladex- oder Enantone/Trenantone Depot - Spritzen) anstelle des verstümmelnden, psychologisch verheerenden, irreversiblen chirurgischen Eingriffs der Kastration. Es gibt bereits solche bei uns, die glauben, daß die intermittierende Androgenblockade sich letztendlich als wirksamer herausstellen wird als die kontinuierliche Hormonblockade. Einige von uns meinen, daß ein intermittierender Therapieplan tatsächlich das Risiko verringert, daß sich hormonunsensibler oder gar hormonresistenter Prostatakrebs entwickelt, d.h. daß sich möglicherweise die Zeit verlängert, in der ein Mann sensibel auf die Hormonblockade reagiert und sich damit sein Leben verlängert. Bis heute ist dies aber immer noch Meinung und nicht nachgewiesene Tatsache.

In Tierversuchen ist nachgewiesen, daß intermittierende verglichen mit kontinuierlicher Hormonblockade das Leben der Tiere verlängert.

Wenn diese Ergebnisse auch beim Menschen bestätigt werden (und ich persönlich glaube, daß das so ist), dann ist meine Überzeugung und Vorhersage für das Jahr 2000, daß intermittierende Blockade gut und gerne Standardpraxis werden wird - heute ist es nur ein vielversprechender neuer Ansatz, jedoch weitgehend noch nicht akzeptiert. Es ist von entscheidender Bedeutung darauf hinzuweisen, daß bisher keine einzige prospektive, randomisierte Studie durchgeführt worden ist um nachzuweisen, daß die kontinuierliche der intermittierenden Hormonblockade überlegen ist. Es ist halt nur immer so gehandhabt worden. Vielleicht werden wir bis zum Jahr 2000 nachgewiesen haben, daß der intermittierende Plan mindestens so erfolgreich ist wie der kontinuierliche, aber mit erheblich weniger schädlichen Nebenwirkungen behaftet. Wenn wir bis dahin die Kastration wegen des Prostatakrebses nicht zu einer illegalen Maßnahme gemacht haben, dann schlage ich vor, wir bilden einen Verein. Wir könnten uns SOBS nennen. Das würde stehen für 


"SAVE OUR BELL`S SOCIETY"

(Rettet-unsere-Glöckchen-Gesellschaft)

Ich habe seit 1991 ausschließlich intermittierende Blockade in meiner Praxis angewendet. Ich bin beeindruckt von den dadurch erzielten Ergebnissen, aber ich habe noch keine Vergleichsstudie durchgeführt, daher bleibt dies immer noch "Meinung" und nicht Tatsache.

Ich pflege zu zitieren:

Jeder hat ein Recht auf seine eigene falsche Auffassung" - und ich schließe mich ein.

Ich habe die Kriterien festgelegt, wann die Hormonblockade gestoppt und wann sie wieder begonnen werden soll. Hierzu verweise ich auf meine sieben vorhergehenden Veröffentlichungen.   

Im vergangenen Monat habe ich eine zweistündige Vorlesung gehalten über meine derzeitige Methode der Behandlung von klinisch begrenztem Krebs. Hierzu gab es einige begleitende Papiere. Einer der Prostatakrebs - Patienten hat diese Vorlesung auf Videoband aufgenommen. Es ist keine professionelle Aufnahme, aber es wird in dieser Vorlesung eine enorme Menge über den derzeitigen Stand des Wissens geboten.

Ich glaube, daß ich in dieser Vorlesung mit außerordentlich kraftvollen und überzeugenden Argumenten dargelegt habe, daß die radikale lokale Behandlung von Prostatakrebs jemals weder als notwendig noch als erfolgreich nachgewiesen worden ist. Noch weitaus aufsehenerregender macht die von mir zitierte medizinische und wissenschaftliche Literatur eine Aussage zu radikalen, lokalen Behandlungen, insbesondere zu der radikalen Prostatektomie, die nahelegt, daß durch eine solche Behandlung der klinisch begrenzte Prostatakrebs sich eher ausbreitet.

Jawohl, ich behaupte, daß bei einem Mann mit pathologisch nachgewiesenem in das Organ eingeschlossenem Prostatakrebs erst durch den chirurgische Eingriff selbst die Prostatakrebszellen in den Blutkreislauf eingeschleust werden und Metastasen sich entwickeln können (in den Knochen ausbreiten etc.). Diese Daten wurden in der erwähnten Vorlesung dargestellt, die entsprechenden Dias wurden gezeigt und es wurde auf die medizinischen Artikel Bezug genommen. Ich erinnere mich, daß meine Großmutter mal zu mir sagte: "Bobby, wenn du Luft an den Krebs läßt (operieren), dann kann der Krebs sich ausbreiten". Großmutter hatte wahrscheinlich recht, wenn auch aus den falschen Gründen. Es ist nicht die Luft, es ist die Klinge des Skalpells und die chirurgische Manipulation, durch die meines Erachtens Krebszellen verteilt werden können, was auch die von mir zitierten medizinischen Artikel und Broschüren nahelegen.

Dieses Videoband und die Broschüren können durch einen Anruf in Dr. Bobs Büro angefordert werden. Es ist ein ganz neues Büro und eine neue Telefonnummer:

Bob Leibowitz, M.D. 

2080 Century Park East
Suite 601
Los Angeles, California 90067
Telefon: 001-310-229-3555
Fax: 001-310-229-3554

Das Videoband, die Broschüren und die Versandkosten betragen insgesamt 20.- US$

Weiterhin sind die vorher von mir erwähnten sieben Informationspapiere, die ich über Prostatakrebs verfaßt habe, verfügbar. Diese vorherigen Papiere fassen im wesentlichen fast die gesamte Literatur über Prostatakrebs zusammen. Das Papier mit dem Titel "Du kannst mit klinisch begrenztem Prostatakrebs leben" ist das neueste und für dieses Thema zutreffendste Papier. Diese Papiere erwähnen die in der Vorlesung von mir zitierten wissenschaftlichen und medizinischen Bezüge. Sie fassen auch meine in ständig fortschreitender Entwicklung befindlichen Maßnahmen zur Behandlung der Krankheit zusammen, die etwa die Hälfte aller amerikanischen Männer über 40 Jahre entweder bekommen oder schon in sich tragen.

Diese Vorlesung hilft den erst vor kurzem diagnostizierten neuen Prostatakrebs - Patienten ihre Behandlungsoptionen zu verstehen. Sie hilft auch jedem anderen Prostatakrebs - Patienten seine Krankheit zu begreifen und auch zu verstehen, welche Behandlung die beste ist bei nahezu jeder möglichen Stufe der Krankheit.

Ich behaupte kategorisch, daß bis heute noch keine Studie den Nachweis erbracht hat, daß irgend eine Art der radikalen lokalen Behandlung von Prostatakrebs notwendig und erfolgreich ist. Falls irgend jemand, ob Arzt oder Patient, ein Referenzbericht beibringen kann, das meine Behauptung als unrichtig beweist, dann werde ich der erste sein, der seinen Irrtum zugibt und ich werde eine andere Behandlung des Krebses empfehlen. Ich behandle jeden Patienten so wie ich behandelt werden möchte, wenn ich ein Laie wäre und diese Krankheit hätte. Wenn also irgendwo ein medizinischer Bezug existiert oder in Zukunft eine Studie beweist, daß mein Therapieansatz falsch ist, dann möchte ich diese kennen lernen, so daß ich bei meinen Patienten die richtige Art der Behandlung anwenden kann. Wenn es etwas gibt, was ich noch lieber tue als zu lehren, dann ist es lernen.

Ich könnte mir vorstellen, daß Sie nicht mit meiner Interpretation der Literatur über Prostatakrebs übereinstimmen, aber ich versuche immer mein Bestes zu geben. Mehr geht nicht, aber es ist für mich auch das Mindeste, was ich geben kann.

Welches ist nun mein spezifischer Ratschlag heute, am 18. März 1997! (Übrigens ist heute mein allererster Enkel geboren worden - Samuel Harris Leibowitz - ich bin so glücklich und stolz, daß ich Ihnen hiervon erzählen muß. Diese Aufregung hält mich wach heute Nacht, da dachte ich mir, daß etwas Produktives aus dieser Schlaflosigkeit entstehen sollte).

Ich glaube, daß alle Männer, die wegen Prostatakrebs behandelt werden wollen, mit der sogenannten "Dreifachen Hormonblockade" behandelt werden sollten, ein Ausdruck, den ich vor etwa fünf Jahren prägte.

Die im Anhang erläuterten Informationen gebe ich den Patienten zu Beginn der Therapie in die Hand.

Ich hatte bisher noch keinen einzigen Patienten, der eine sogenannte "Aufwallungsreaktion" entwickelt hat, wenn mit allen drei Medikamenten am ersten Tag begonnen worden ist. Ich verordne für alle meine Patienten die dreifache Hormonblockade vom ersten Tag an. Ich empfehle also nicht, erst mit einem Medikament 2 Wochen vorher zu beginnen und dann die anderen Medikamente folgen zu lassen.

Die vorher erwähnte Vorlesung enthält auch die logische Begründung für die Notwendigkeit der Einnahme von Proscar. Ich bin der festen Überzeugung, daß die dreifache Hormon- blockade besser ist, als eine zweifache Blockade.

Patienten, die mein Anwendungsprotokoll erhalten, werden zunächst zwischen 12 - 14 Monaten mit der Dreifachen Androgenblockade therapiert und dann nur mit Proscar allein weiter behandelt. In meinem Videoband wird erläutert, warum ich eine Erhaltungstherapie mit Proscar weiterführe. Ich persönlich glaube, daß Proscar Krebszellen in der Prostata abzutöten hilft.   

Angemessene Blutuntersuchungen sind erforderlich vor und während der Behandlung und während der Erhaltungstherapie. Diese Blutuntersuchung ist eine wesentlich notwendige Massnahme, um Nebenwirkungen oder schädliche Folgen überwachen zu können.

Die logische Überlegung zu der Empfehlung, eher Flutamid als Casodex zu geben, ist auch auf dem Videoband mit der Vorlesung enthalten. [Damals war noch eine Tablette Casodex vorgesehen, jetzt empfiehlt Dr. Bob dringend drei Tabletten Casodex oder Flutamid – auch aus Kostengründen, Anm. des Übersetzers]

Kann Hormonblockade allein die Prostatadrüsen vollständig sterilisieren und alle Krebszellen abtöten? Ja! Ca. 40 % der Männer, die nach einer kombinierten Hormonblockade über sechs bis acht Monate sich einer radikalen Prostatektomie unterzogen haben, hatten zum Zeitpunkt der Prostatektomie überhaupt keine Krebszellen mehr in ihrer Prostata. Kein Krebs! Nix! Null! Wir nennen das die pathologische Bestätigung einer vollständigen Remission – kein Vorkommen von Krebs in dem chirurgisch entfernten Gewebe.

Rufen Sie sich in Erinnerung: nach nur sechs Monaten Behandlung war bei 40 % der Männer kein Krebs mehr übrig geblieben. Hormonblockade bewirkt einen Prozess, den wir Apoptose nennen - Zelltod. Lassen Sie sich von keinem erzählen, daß Hormonblockade keine Prostatakrebszellen abtöten kann. Sie kann es und tut es.

Denken Sie an die gute und die schlechte Nachricht, die damit verbunden ist. Wenn Sie sechs bis acht Monate mit einer Hormonblockade behandelt worden sind und dann sich einer radikalen Prostatektomie unterzogen haben, kommt Ihr Urologe etwa zwei Tage nach der Operation zu Ihnen und sagt: "Ich habe großartige Neuigkeiten für Sie. Sie scheinen geheilt zu sein, es war nirgendwo mehr Krebs in Ihrer Prostatadrüse. Herzlichen Glückwunsch!"

Jedoch werden Sie sich dann fragen, wenn da überhaupt kein Krebs mehr vorhanden war, warum brauchte ich denn dann einen chirurgischen Eingriff? Und mehr noch: jetzt haben Sie auch die selben Nebenwirkungen, die alle Patienten mit radikaler Prostatektomie erleiden müssen.

Denken Sie auch daran, daß eine Heilung bei den meisten Prostatakrebs - Patienten nicht unbedingt notwendig ist, um eine normal hohe Lebenserwartung auch zu erreichen. Ganz wichtig auch, was Willet Whitmore so eloquent fragte: Ist eine Heilung überhaupt möglich bei Männern, die es dringend nötig hätten. Und: ist eine Heilung überhaupt nötig bei Männern bei denen sie möglich ist?

Das bedeutet, wenn einem Mann – Gott möge es verhüten – bestimmt ist, dass er an Prostatakrebs sterben soll, dann kann das wahrscheinlich durch nichts geändert werden. Die biologische Aggressivität dieses Krebses oder seine Fähigkeit zu mutieren und Metastasen zu bilden, könnte es zum Zeitpunkt der Diagnose unmöglich machen, ihn zu therapieren. Willet Whitmore starb an den Metastasen seines Prostatakrebses trotz einer radikalen Prostatektomie. – Ist eine Heilung überhaupt möglich bei Männern, die es dringend nötig haben? 

Wenn die Krankheit sich bereits vor der Operation ausgebreitet hat, hilft die Operation überhaupt nicht. Die chirurgische Entfernung des größten Teiles des Krebses in der Prostata ist nicht nützlich, sie könnte tatsächlich eher schaden. Es hilft dem Immunsystem nicht, wenn der Hauptteil des Krebses entfernt wurde. Wenn man den Patienten durch einen chirurgischen Eingriff nicht heilen kann, hat er eher Nachteile durch eine Operation.   

Und für den Mann, dessen Krebs auf die Prostatadrüse beschränkt ist und sich biologisch "anständig benimmt", ist der Versuch einer Heilung wahrscheinlich gar nicht nötig, denn der Krebs dieses Mannes ist so träge, daß er eher mit dem Krebs stirbt und nicht an dem Krebs. - Ist Heilung überhaupt nötig bei Männern, bei denen es möglich ist?

Eine der schlimmeren Nebenwirkungen der radikalen Prostatektomie ist, daß etwa 60% bis 65 % der Männer den Rest ihres Lebens Urin tröpfeln werden. Etwa einer von dreien wird so stark damit zu tun haben, daß er entweder eine Windel, eine Slipvorlage oder eine Penisklammer tragen muß. Das ist eine der Nebenwirkungen, die Männer am meisten fürchten. Ja, 85% erleiden Impotenz, aber Urininkontinenz ist schrecklich, abscheulich und allzu häufig auch permanent. Männer fürchten Inkontinenz viel mehr als Impotenz.

Da bis heute noch keine Studie den Nachweis erbracht hat, daß eine radikale lokale Behandlung von Prostatakrebs (Chirurgischer Eingriff, Bestrahlung, Einsetzen von radio-aktiven Elementen, Kryotherapie) sowohl notwendig als auch erfolgreich ist, muß man sich die Frage stellen, weshalb 150 000 radikale Prostatektomies pro Jahr bei uns durchgeführt werden. Schweden hat 150 Prostatektomien insgesamt pro Jahr. 

Nicht 150 000! -- Einhundertfünfzig!

Die Logik ist für mich ganz klar:

  • 40 % aller Männer hatten Prostatakrebs bei einer Autopsie (Studie der Wayne State Universität mit Daten, die zeigen, daß 27 % der Männer in ihren 30er Lebensjahren Prostatakrebs haben und 34 % der Männer in den 40er Lebensjahren. Diese überraschend neue Information hat meinen Ansatz zur Therapie bei Prostatakrebs wesentlich beeinflusst)
  • - Nur 7 % oder 8 % der Männer stellen überhaupt ein Symptom des Prostatakrebses in ihrem ganzen Leben fest
  • - Nur 2 % oder 3 % der Männer sterben an Prostatakrebs. Die meisten von uns werden also mit Prostatakrebs sterben, nicht durch Prostatakrebs.

 

Wenn ich diesen 40 % aller Männer in den USA, die Prostatakrebs haben, sage, sie sollten pro Tag ein leckeres Fruchtbonbon essen und wenn sie das tun, werden sie niemals an Prostatakrebs sterben, dann ist das für alle richtig bis auf 2 % oder 3 % von ihnen. Wir können darüber lachen und wissen, daß es nicht das leckere Fruchtbonbon ist, das sie rettet. Aber wie sieht das aus, wenn ich anstatt des leckeren Bonbons die radikale Prostatektomie anordne. Nur 2 % oder 3 % der Männer werden an Prostatakrebs sterben, und ich mache mir selbst etwas vor zu glauben, die radikale Prostatektomie würde sie retten können. Lache über die Fruchtbonbon - Analogie aber diese Bonbonlutscher werden ihr ganzes Leben lang kein Problem mit tröpfelndem Urin haben. Keine Studie hat bis heute den Nachweis erbracht, daß eine radikale lokale Behandlung von Prostatakrebs erfolgreicher ist, als die dreifache Hormonblockade.

Weil keine Studie den Nachweis erbracht hat, daß ein radikaler chirurgischer Eingriff besser ist, erhebt sich die Frage, warum soll man sich für eine radikale Behandlung entscheiden. Solange es keine Studie gibt, die nachweist, daß die radikale lokale Behandlung einen weiteren Vorteil zu dem Nutzen einer einjährigen dreifachen Hormonblockade hinzufügt, kann ich die radikale lokale Behandlung nicht empfehlen. Wenn irgend eine Studie jemals zu dem Schluß führt, daß die zusätzliche lokale Behandlung zu der einjährigen dreifachen Hormonblockade die Überlebenschancen erhöht, werde ich meinen Patienten dringend empfehlen, die lokale Therapie in Betracht zu ziehen, es sei denn die schwerwiegenden Nebenwirkungen überwiegen gegenüber den Vorteilen.

Etwa um das Jahr 2000 werden wir fast sicher einen starken Rückgang der radikalen lokalen Behandlungen erleben. Der größte Anteil der Männer, bei denen Prostatakrebs infolge von PSA - Messungen diagnostiziert worden ist, haben eine biologisch sehr träge fortschreitende Krankheit; doch werden sie durch wohlmeinende Urologen veranlaßt, eine aggressive, unnötige radikale Behandlung vornehmen zu lassen, durch die sie Inkontinenz erleiden und impotent werden. Ich nehme nicht für mich in Anspruch, daß ich die endgültige und einzig richtige Behandlung des Prostatakrebses gefunden habe. Aber ich weiß genau, daß wir diese Krankheit falsch behandelt haben - die Behandlungsfolgen (Überleben ohne jemals wieder einen Anstieg der PSA – Werte zu erleben, trifft wahrscheinlich nur in einem von drei Fällen zu) und die Nebenwirkungen sind weit, weit schlimmer als die meisten von uns zugeben wollen. Ich weiß sicher, wir behandeln falsch; ich nehme nicht für mich in Anspruch, die "einzig richtige" Behandlung zu kennen.

Vielleicht werden im Jahr 2000 alle Männer, die eine Behandlung verlangen, mit der dreifachen Hormonblockade beginnen und dann während oder nach einem Jahr könnte eine Form von lokaler Therapie hinzugefügt werden (geringe Strahlendosis oder irgendwelche neue Verfahren). Mein Ratschlag in 1997: fange mit der dreifachen Hormonblockade an. Und solange nicht in einer Studie nachgewiesen ist, daß die lokale Behandlung sowohl notwendig als auch erfolgreich ist, gibt es keinen Grund, weshalb Sie einer nicht erprobten, aggressiven Behandlung mit unumkehrbaren Nebenwirkungen ihre Zustimmung geben sollten. Ich glaube, daß alle Prostata - Krebspatienten, unabhängig von dem Grad der Erkrankung, erst mal mit der dreifachen Androgenblockade behandelt werden sollten. Grundsätzlich ohne Ausnahme! Es sei denn man läßt überhaupt keine Behandlung zu. Wenn Sie sich behandeln lassen, dann beginnen Sie mit der dreifachen Androgenblockade.

Kann die Hormonblockade allein Prostatakrebs heilen? Ich rufe in Erinnerung, 40 % von uns sterben mit Prostatakrebs, nur 2 % bis 3 % an dem Krebs. Heilung ist für den größten Teil von uns überhaupt nicht erforderlich.

Heilung ist auch nicht das, was die meisten erwarten dürfen, die sich einer radikalen lokalen Behandlung unterziehen. Wenn der chirurgische Eingriff oder die Bestrahlung oder eine andere Form der radikalen lokalen Behandlung versagt haben, dann werden die Patienten mit derselben dreifachen Hormonblockade behandelt, wie ich sie von Anfang an anwende. Das ist richtig. Wenn deren PSA nach chirurgischem Eingriff, oder Bestrahlung wieder steigt, erhalten sie die gleiche Hormonblockade, wie wir sie von Anfang an einsetzen. Urologen und Radiologen wenden die gleiche Hormonblockade an, wie ich sie empfehle, allerdings lassen sie meist Poscar weg. Ich habe die Gründe, weshalb Proscar hinzugefügt werden sollte einschließlich der medizinischen Referenzen hierüber in der vorher erwähnten Vorlesung erwähnt. Wenn unsere Patienten nach 12 bis 14 Monaten dreifacher Hormonblockade als Initialtherapie einen Rückschlag erleben, dann können sie wieder behandelt werden mit derselben Hormonblockade, die angewendet wird, wenn der chirurgische Eingriff oder die Bestrahlungstherapie versagt haben.

Kann die Hormonblockade tatsächlich wirken? Mr. M. K. kam als Patient in meine Praxis mit einem PSA von 34 ng/ml, d. h. wahrscheinlich haben subklinisch die Krebszellen bereits gestreut (wahrscheinlich in die Knochen). Ich habe ihn mit der kombinierten Blockade allein behandelt. Kein chirurgischer Eingriff, keine Bestrahlung, keine radioaktiven Elemente, keine Kryotherapie. Ich behandelte ihn über 23 Monate, weil ich damals noch nicht wußte, daß 12 bis 14 Monate der Blockade bereits wirken können. Seitdem erhält er nur die Proscar-Erhaltungstherapie. Sein PSA ist zur Zeit 1,6 ng/ml. Übrigens begann ich die Therapie in 1991. Jetzt nimmt er Proscar allein bereits 4 Jahre. Insgesamt sind also bereits 6 Jahre vergangen, seit wir mit der Behandlung begonnen haben. Die Nebenwirkungen der Hormonblockade sind verschwunden.

Es gibt mindestens sechs oder acht Männer, die ich in 1992 ähnlich therapiert habe, die Therapie wurde beendet in 1993, ausgenommen Proscar. Seit 1993 habe ich weiterhin eine größere Anzahl von Männern nach diesem Protokoll behandelt.

Bis heute habe ich noch bei keinem einzigen Mann, der mit begrenztem Prostatakrebs zu mir gekommen ist, die Therapie wieder beginnen müssen. Das heißt also ich habe eine dreifache Hormonblockade von kurzer Dauer als Initialtherapie angewendet. Sollte jemals deren PSA-Wert etwa bis zur Hälfte des Wertes vor der Behandlung steigen, dann würde ich die dreifache Hormonblockade wieder beginnen. Wenn das geschieht, also der Wiederbeginn der Behandlung, dann bedeutet das, wir würden eine intermittierende Hormonblockade einsetzen. Da jedoch nicht ein einziger in meiner Behandlungsreihe jemals eine zweite Behandlung benötigt hat, ist es wohl eher angebracht, dies als eine "dreifache Hormonblockade von kurzer Dauer als Initialtherapie" zu bezeichnen - anstelle einer "intermittierenden Hormonblockade". Intermittierend wird sie nur dann, wenn eine Wiederholung der Therapie notwendig wird. Dr. Bobs DREIFACHE HORMONBLOCKADE ist meiner Meinung nach die beste Behandlung im Jahre 1997 für Patienten mit begrenztem Prostatakrebs - und auch für alle anderen Stadien der Erkrankung, falls der Patient überhaupt eine Behandlung seines Prostatakrebses wünscht.

Und wie immer,

wünsche ich Ihnen Glück, 

Wohlergehen

und ein langes Leben

Dr. Bob.

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Anhang
 
 

Sie beginnen die "Dreifache Hormonblockade" als Initialtherapie gegen Ihren Prostatakrebs.

Alle 28 Tage werden Sie in meine Praxis kommen, zur Laboruntersuchung, einer körperlichen Untersuchung und zum Empfang der Zoladex- oder Enantone/Trenantone-Spritze.

Ihr täglicher Medikamentenplan sieht folgendermaßen aus und kann zu den Mahlzeiten aber auch außerhalb der Mahlzeiten eingenommen werden:

Proscar 5 mg: Eine blaue Tablette täglich irgendwann am Tag

Eulixen (Flutamid) 125 mg Zwei Kapseln alle acht Stunden, also dreimal am Tag, so genau wie nur möglich. Gesamtdosis 750 mg pro Tag

[Flutamid wird hier in Deutschland in 250-mg-Kapseln angeboten, daher genügt jeweils eine Kapsel dreimal am Tag alle acht Stunden, Anm. des Übersetzers]

Zum Beispiel, wenn Sie aufgestanden sind, etwa nach dem Zähneputzen, nehmen Sie zwei Eulixen (Flutamid)-Kapseln. Das ist die erste Dosis. Wann immer Sie zu Bett gehen, nehmen Sie zwei Kapseln, das ist die dritte Dosis am Tag. Für die mittlere Dosis pro Tag wäre der ideale Zeitpunkt etwa acht Stunden nach der Morgendosis. Benutzen Sie am besten einen Wecker, um sich an die Einnahme der Kapseln erinnern zu lassen.

Wenn Sie einmal die Mittagsdosis vergessen haben, dann nehmen Sie diese, sobald es Ihnen wieder eingefallen ist. Nehmen Sie in jedem Fall die dritte Dosis vor dem Schlafengehen (auch wenn es nicht genau acht Stunden nach der zweiten sind). Es besteht keine Notwendigkeit, sich in der Nacht wecken zu lassen. Denken Sie daran, dass der Avcht-Stunden-Zyklus nicht das Hauptinteresse des Tages sein darf, nehmen Sie die Medikamente routinemäßig ein, lassen Sie sich deswegen nicht in der Nachtruhe stören.

Lassen Sie sich nicht durcheinander bringen, die Lebensqualität soll keine Einbuße erleiden. Annähernd genau, nicht perfekt, ist gut genug.

Und wie immer,

wünsche ich Ihnen Glück, 

Wohlergehen 

und ein langes Leben

Dr. Bob.

Übersetzt von Christian Ligensa
 
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